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Hochdeutsch oder Dialekt: Was im Beruf am besten passt

Wie redet man am g'scheitesten im Büro? Wie einem der Schnabel gewachsen ist? Gestochen korrekt oder irgendwas dazwischen? Schau ma moi.

"Passt scho": Zwei Worte, die in Österreich je nach Tonfall alles bedeuten können. Ja, nein, vielleicht, später, gar nie. Womit wir schon mitten im Thema sind. Wer in Österreich arbeitet, weiß: Im Berufsleben wird nicht nur geschniegelt formuliert, gemailt und präsentiert, es wird auch g'schert geredet, abgekürzt und verniedlicht.

Die einen finden das bodenständig und charmant. Die anderen denken sich: Bitte, das ist doch voll peinlich. Also was jetzt?

Dialekt als Werkzeug

Die ehrliche Antwort ist nicht besonders akademisch: Dialekt ist im Beruf weder automatisch sympathisch noch unprofessionell. Er ist vor allem eines: ein Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wann man es gut einsetzt und wann man es im Werkzeugkoffer lässt.

Die gute Nachricht zuerst: Niemand muss plötzlich Nachrichtensprecher:in werden. Dialekt ist kein Karrierefehler. Im Gegenteil. Gerade in Österreich gehört er für viele Menschen zur sprachlichen Identität. Und oft auch zur Ausstrahlung. Wer Dialekt spricht, wirkt häufig weniger affektiert, dafür deutlich menschlicher, irgendwie wärmer. 

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Eine Frage des Timings

Seien wir ehrlich: Glattgebügeltes „Business-Hochdeutsch“ klingt so, als hätte jemand „Authentisch kommunizieren in 7 PowerPoint-Folien“ zu ernst genommen. Trotzdem gilt: Nicht jede sprachliche Nähe ist automatisch professionell. Denn Sprache macht im Job nicht nur Inhalte transportierbar, sie vermittelt auch Eindruck.

Sprache zeigt wie nahbar jemand wirkt, wie souverän jemand klingt, wie gutbürgerlich er oder sie aufgewachsen ist oder wie höflich jemand kommunizieren kann. Und manchmal leider auch, wie ernst man genommen wird. Darum ist nicht die Frage entscheidend: „Spreche ich Dialekt?“ Sondern: „Passe ich meine Sprache bestmöglich an das Setting an?“ 

Wo Dialekt passt

Es gibt Situationen, in denen Dialekt nicht nur okay, sondern ein echter Vorteil ist. Erstens: Wenn Nähe wichtiger ist als Perfektion, sprich im Team, in der Kaffeeküche, bei kurzen Abstimmungen oder im Arbeitsalltag. Wenn alle sich wohlfühlen, darf der Ausdruck natürlich sein.

Zweitens: Im regionalen Kundenkontakt. Hier spielt Dialekt oft seine stärkste Karte aus, nämlich die des Vertrauens. Wer im Verkauf, in der Beratung, im Handwerk, im Tourismus oder in der Dienstleistung arbeitet, weiß: Menschen reagieren oft begeisterter auf jemanden, der echt klingt.

Ein leicht regionaler Tonfall sagt oft ganz ohne Worte: „Ich bin nicht aufgesetzt, ich bin greifbar.“ Und das kann im Kund:innenkontakt Gold wert sein. Drittens, in Berufen in denen Persönlichkeit verkauft werden muss. 

Wann Dialekt zvü is

Und jetzt zur unangenehmen Wahrheit: Ja, Dialekt kann durchaus peinlich wirken. Laut Psychologie Heute (6/2005) ist es laut einer deutschen Studie sogar so, dass Dialekt redende Menschen mitunter weniger gewissenhaft und weniger offen für neue Erfahrungen wahrgenommen werden, Stichwort Bildungsferne und Einfältigkeit.

Nicht, weil Dialekt „schlecht“ wäre. Sondern weil er grob und wenig feinfühlend wirken kann. Und oft auch unklar. Sobald Menschen im Gespräch innerlich aussteigen, weil sie gerade rätseln, ob „Des geht si aus“ ein Versprechen, eine Hoffnung oder ein Gebet ist, wird’s mühsam. Vor allem bei deutschen Kolleg:innen oder in internationalen Teams.

Auch wenn Lockerheit zu Lässigkeit wird, ist Vorsicht geboten. Es gibt Sätze, die sind im Freundeskreis völlig okay, im Job aber eher fragwürdig. Zum Beispiel: „Jo eh.“, „Schau ma moi.“ „Wird scho passen." „Des is a bissl deppert glaufen.“ Das Problem daran ist nicht der Dialekt selbst. Das Problem ist, dass diese Formulierungen schnell nach Unklarheit, Ausweichen oder fehlender Verbindlichkeit klingen. Und genau das möchte man eher nicht ausstrahlen.

Und last but noch least: Manche Situationen verlangen nach förmlicher Sprache. Zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch, ein Konfliktgespräch, Präsentationen, formelle Kundentermine. Aber auch hier gilt, es kommt auf die Dosis an. Denn ein bisschen Dialekt macht noch lange nicht unprofessionell, aber oft sehr viel menschlicher.

Ich hätte gerne mehr Informationen!