Das ist bekannt: An den WIFIs gibt es das breiteste Weiterbildungsangebot. Darunter viele Spezialausbildungen, die nicht so ganz alltäglich sind. Im Rahmen unserer aktuellen Kampagne „Lern dich weiter“ holen wir sie vor den Vorhang. Diesmal: Experten für 3D-Druck.

Christoph Brandauer ist Experte für 3D-Druck. Das wird man nicht von heute auf morgen. Zunächst absolvierte der Niederösterreicher eine Lehre als Spengler und Dachdecker. Weiterbildung spielte in seinem Berufsleben aber schon immer eine große Rolle. Neben der Tätigkeit als Schweißaufsicht im metalltechnischen Bereich bildete er sich zum Schweißtechniker und Schweißwerkmeister weiter. Danach absolvierte er außerdem die Meisterprüfung Metall- und Maschinenenbau. Heute leitet er mehrere Werkstätten am WIFI Niederösterreich.

Herr Brandauer, was passiert in einer Werkstatt für Metall-, Schmiede- und Kunststofftechnik?

Christoph Brandauer: In der Metalltechnik gibt es verschiedene Berufssparten wie Schweißtechnik, Maschinenbau, Vorrichtungsbau, Stahlbau, Zerspanungstechnik oder Schmiedetechnik. In jedem Fachgebiet brauchen Personen verschiedene Fertigkeiten und Fähigkeiten. Hierfür haben wir die passenden Kurse, von Lehrabschlussprüfung bis Meisterkurse. In der reinen Grundausbildung lernt man so etwas wie Feilen, Bohren, Sägen, Reiben, Gewinde schneiden.

In der Kunststofftechnik verwenden wir dann Fertigungstechnologien wie Spritzgießen, Extrudieren, 3D-Drucken, Kunststoffschweißen, Tiefziehen und das Verarbeiten verschiedenster Kunststoffe. In der Schweißtechnik kann man verschiedenste Schweißkurse absolvieren; MAG-, WIG-, Elektroden- oder Autogenschweißen … Sie können sämtliche Schweißprüfungen nach verschiedenen Normen ablegen, die sie nach drei Jahren erneuern müssen.

Warum muss man Prüfungen erneuern?

Das Stahlschweißer-Zertifikat nach EN ISO 9606-1 hat eine Gültigkeit von drei Jahren. Danach muss man an einer Zertifizierungsstelle, wieder eine Prüfung ablegen. Diese Zertifizierungsstelle gibt dann eben ein neues Zertifikat aus, das ist so in der Norm definiert.

Gibt es in Ihrem Beruf so etwas wie Routine?

Nein! Ich betreue Werkstätten und Trainer, erarbeite Schulungsmaßnahmen, organisiere Kurse und stelle Kontakte zu Innungen her – und vieles mehr. Jeder Kurs ist anders, man hat ja auch immer andere Teilnehmer. Sehr viel Austausch gibt’s auch mit unseren Trainern/innen. Sie kommen alle aus der Privatwirtschaft, die meisten sind selbstständig oder haben einen Betrieb und bringen ihr Praxis-Knowhow mit ein.

Was ist ihr neuestes technisches Gerät?

Wir sind wirklich top-ausgestattet. Wir haben alle erforderlichen Einrichtungen, Maschinen und Werkzeuge. Besonders stolz bin ich auf unseren 3D-Drucker von EnvisionTEC ® mit DLP-Verfahren, also Digital Light Processing. Das funktioniert im Prinzip wie eine Stereolithografie: Man hat eine Wanne, befüllt mit Photopolymer- oder Kunststoffharz. Darunter befindet sich die Lichtquelle, also der DLP-Projektor.

Dieser projiziert die jeweilige Form, die man drucken will auf das Kunstharz. Schicht für Schicht wird dann das Material aufgetragen, härtet bei den Punkten aus und wird somit dreidimensional. Mit diesem flüssigen Kunststoffverfahren kann man alles Mögliche machen. Teile aus Metall sind prinzipiell teurer als Teile aus Kunststoff. Wir verwenden den Drucker für Prototypenbau, unter anderem für Spritzgussformen.

Kann ein 3D-Drucker für verschiedene Materialien verwendet werden oder gibt es dabei Unterschiede?

Es kommt hier auf die Fertigungstechnologie an. Es können Bauteile aus Kunststoff, Metall, Keramik, Glas, und Beton hergestellt werden.

Es gibt 3D-Drucker, die mit Pulvern funktionieren, in metallischer oder polymerer Form, oder mit Gips oder Sand. Und es gibt welche, die mit Flüssigkeiten arbeiten, so wie eben der Drucker am WIFI mit einer Kunststoffflüssigkeit. Außerdem gibt es welche, die mit Feststoffen arbeiten. Einsatzgebiete für 3D-Drucker finden sich in Industrie, Sport, Automobilindustrie, Luft und Raumfahrt, Maschinenbau oder in der Medizin.

Was würden Sie persönlich gerne drucken?

Funktionelle Baugruppen, das heißt: In sich bewegliche Teile, die in einem Vorgang gedruckt werden. Die herkömmlichen Fertigungsmethoden lassen eine Herstellung solcher Baugruppen nicht zu. Die Vorgangsweise von der Konstruktion bis zur Fertigung ist völlig neu zu denken und das macht diesen Prozess so neu und interessant.

Gibt es ein Erlebnis, für das Sie Ihren Beruf einfach lieben?

Das ist eindeutig die abwechslungsreiche Tätigkeit generell! Ich bin immer wieder mit neuen Aufgaben konfrontiert. Generell könnte ich über meine Arbeit sagen: Ich bin froh, Teil des WIFI-Teams zu sein. Man sollte wirklich das machen, was einem Spaß macht – das ist sehr wichtig, privat wie beruflich.

Was erwarten Sie technisch für die Zukunft?

Künstliche Intelligenz ist im Kommen. Ob Automobilindustrie, Robotik, Automatisierungen – da kommt sicher noch einiges auf uns zu.

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