Webinare, Online-Tools, Tutorials. In den letzten Jahren sind virtuelle Lernformen immer wichtiger geworden. Wir betreten Klassenzimmer nicht immer durch Türen, sondern durch Fenster – in unseren Browsern, auf unseren Rechnern.

Dipl. Päd. Susanne Schestak

Susanne Schestak ist Expertin für Virtual Classrooms. Sie lebt in einem Dorf in Oberbayern, in der Nähe von Kufstein. Doch sie unterrichtete schon Menschen aus Hamburg, Wien oder Zürich. Das geht mit Virtual Classrooms.

Seit 20 Jahren entwickelt Susanne Schestak Lernkonzepte und Blended Learning Szenarien und begleitet Organisationen und Firmen auf den Weg in das Digitale Lernen. Hier geht es zu ihrer Webseite.

„Die Auswahl an Lernformaten wird immer größer“

Sie prophezeit: „In Zukunft wird die Auswahl an Lernformaten immer größer werden, so dass sich jeder sein passendes heraussuchen kann. Das bedeutet auch, dass bestehende Angebote nicht automatisch durch Online-Trainings wegrationalisiert werden.“

Wie man in Virtual Classrooms arbeitet, erzählt sie dem WIFI-Blog im Interview.

WIFI-Blog: Was spricht für die Einrichtung von Virtual Classrooms? In welchen Bereichen kommen sie bereits zum Einsatz?

Susanne Schestak: „Die Lernenden können zeitversetzt und ortsunabhängig Lernmaterialien bearbeiten, aber auch mit anderen Menschen zusammenarbeiten und bei Fragen ihren Tutor kontaktieren. Virtual Classrooms flexibilisieren das Lernen und den Wissensaustausch enorm.

Virtual Classrooms werden heute in vielen Firmen eingesetzt: für die Begleitung von Lernprozessen, für Softwareschulungen (neues IT-Produkt) oder auch für die Schulung bestimmter Zielgruppen (Vertriebsschulung). Auch als Coaching-Instrument werden sie immer häufiger genutzt. Auch für berufsbegleitende Lehrgänge und mehrwöchigen Kurse hat das Vorteile. Oft gibt es auch eine Kombination von Präsenz- und virtuellem Lernen.“

Welche Fähigkeiten muss ein Online-Trainer mitbringen?

„Ein Online-Trainer muss ein guter Motivator sein. Im Virtual Classroom sind Mimik und Gestik eingeschränkt. Die Online-Trainer/innen müssen ihre Veranstaltungen so spannend gestalten, dass die Teilnehmer/innen sich nicht durch E-Mails oder andere Dinge ablenken lassen.

Der Online-Trainer sollte deshalb ein gutes „Drehbuch“ für das Training anfertigen. Die Vorbereitungen dafür sind zum Teil aufwändiger als im Präsenztraining. Außerdem müssen Online-Trainings gut moderiert werden. Technisches Know-how ist ebenfalls wichtig, genauso wie ein routinierter Umgang mit Stimme und Sprache. Gerade die Stimme spielt in Online-Trainings eine große Rolle, weil sie Emotionen widerspiegelt.“

„Autoreifen wechseln“ eignet sich nicht so gut

Gibt es Fachgebiete, für die sich Online-Trainings besser eignen als andere?

„Im Virtual Classroom kann man fast alle Themen unterrichten, aber nicht alle Inhalte sind sinnvoll. Es gibt sicherlich Lernziele, wie z.B. „Autoreifen wechseln“, die sich nicht gut über den Virtual Classroom transportieren lassen.
Prinzipiell sind alle kognitiven Lerninhalte gut vermittelbar. Bei der Einübung von persönlichen und sozialen Kompetenzen (Soft Skills) hängt es sehr stark davon ab, wo man zur besseren Demonstration die Kamera einschalten kann oder eben verstärkt mit Bildern und Videos arbeitet. Hier gibt es sicherlich auch Themen, die sich nicht für den Virtual Classroom eignen.

Zeit ist ein wichtiger Faktor. Die Länge eines Online-Trainings sollte nicht mehr als 1,5 Stunden ohne Pause betragen. Das bedeutet natürlich auch, dass man bei sehr umfangreichen Lerninhalten entscheiden muss, ob man nicht besser „Blended Learning“ einsetzt. Hierbei wechseln sich Lernphasen vor Ort mit Online-Trainings ab.“

Welche Vorteile und Nachteile gibt es gegenüber dem Präsenzunterricht?

„Es gibt viele Vorteile: Schnelle Erreichbarkeit, eine niedrige Einstiegshürde, direkter mündlicher Austausch mit anderen Lernenden und dem Trainer, Ortsunabhängigkeit (weltweit), es fallen keine Reisekosten und -tätigkeiten an.

Insbesondere für bestimmte Zielgruppen wie Mütter, stark eingebundene Berufstätige und ältere Personen bzw. Personen, die geografisch sehr weit weg von Ballungszentren wohnen, sind diese Vorteile ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen eine Weiterbildung.

Den größten Nachteil stellt sicherlich die fehlende Körpersprache dar. Auch wenn noch so gut mit Kamera und Interaktionen unterstützt wird, kann der Virtual Classroom nicht das soziale Erleben vor Ort ersetzen. „Soziale Präsenz“ muss hergestellt werden: wohlfühlen, miteinander austauschen, kooperieren und zusammenarbeiten. In der Online-Trainer-Ausbildung wird dem Trainer dafür ein Methodenset an die Hand gegeben.“

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