Oft heißt es, Frauen verkaufen sich zu schlecht. Das ist leider mehr als nur ein Vorurteil, obwohl jüngere Frauen bereits besser verhandeln als ältere. Es ist immer noch sehr verbreitet, dass Frauen anders behandelt werden als ihre männlichen Kollegen.

Wir stellen den Fokus mal scharf und geben ein paar Tipps. 

Suche einen Betrieb aus, der Gleichstellung praktiziert

Laut Gleichbehandlungsgesetz (1979) ist Diskriminierung von Frauen bei der Entlohnung verboten. So weit so gut. Was aber gesetzlich seit mehr als 40 Jahren festgehalten ist, ist leider noch immer nicht flächendeckend im Alltag angekommen. Frauen verdienen noch immer weit über 20 Prozent weniger für ein und dieselbe Arbeit. Genaue Recherche zahlt sich also aus. Größere Firmen und Konzerne sind hier eher auf der fairen Seite.

Ist man jedoch bereits fix in einem Betrieb und hat ein ungutes Gefühl, sollte man ganz sachlich Argumente sammeln und die Führungspersonen darauf ansprechen. Hat man dafür zu wenig Mut, könnte man sich auch mit Kolleginnen zusammentun.

Kenne deinen Marktwert!

Für öffentliche Bedienstete gibt’s Gehaltsschemata, in der Privatwirtschaft Kollektivverträge mit Angaben zu Mindestgehältern. Zusätzlich empfiehlt es sich, Abgleiche mit Gehaltsrechnern oder dem Gehaltskompass vom AMS vorzunehmen, Gehaltsexperten direkt zu kontaktieren.

Es geht darum, einen monetären Wert für seine Arbeitskraft anzunehmen. Umfragen und Studien sagen: Da wo Frauen finden, sie verlangen zu viel, liegen sie tatsächlich goldrichtig. Auch hier geht’s um Argumente und wie man sie rüberbringt. Damit ist Verhandlungsgeschick gemeint.

Arbeite an deinen Kommunikations-Skills!

Man muss kein NLP-Profi sein, aber dennoch Strategien parat haben, um sich nicht gleich verunsichern zu lassen.

Oft liest man auch von der 3-Argumente-Kette. Sie geht so: Man legt sich drei Argumente zurecht, die für einen sprechen und wertet diese nach Stärke. Das mittelmäßige kommt zuerst, es überdeckt das schwächste am zweiten Platz und am Ende kommt das beste und stichhaltigste Argument– auch um noch nachklingen zu können.

Sie sind bereits fit in der Theorie? Dann heißt es im Selbst-Coaching die Punkte zu üben, die einen aus der Bahn bringen könnten. Das ist sehr individuell. Ob vor dem Spiegel, gedanklich auf den Weg in die Arbeit oder mit Freunden und Familie: Vor und mit Menschen zu üben, die einen gut kennen und ehrliches Feedback geben, ist sicher sehr nützlich.

Bleibe gelassen!

Der typische Businessmensch ist immer gelassen, nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen. Vermutlich haben Sie jetzt an einen Mann gedacht, wie z.B. Don Draper aus der Serie Mad Men. Es geht nicht darum, eine stereotyp-männliche Verhaltensweise oder Ästhetik aus den 50ern zu kopieren, sondern sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, nur weil man zufällig eine Frau ist. Auch Unannehmlichkeiten aushalten zu können, wie etwa kurze Gesprächspausen, ist in Gehaltsverhandlungen eine bedeutende Fähigkeit.

Gehe mit Mansplaining professionell um!

Für alle die es nicht kennen: Der Begrifff kommt von engl. man (=Mann) + explaining (Erklärung). Er bezeichnet Situationen, in denen Männer glauben, Frauen etwas erklären zu müssen oder sie unterbrechen, nicht ausreden lassen oder zum Schweigen bringen.

Hier hilft nur ruhig zu bleiben, durchzuatmen und lauter und bestimmter wiederholen, was man sagen wollte. Kommt man nicht zu Wort, dann muss man dies ansprechen. Direkt, aber sachlich.

Sicher bleiben!

… und sich auch von einem Nein nicht verunsichern lassen und rekapitulieren. Jedem und jeder steht das gleiche zu. Es ist wichtig, nicht gleich klein beizugeben! Manchmal wird man ja auch bloß getestet. Sehen Sie es als Herausforderung. Wichtiger Grundsatz: Bei sich bleiben. Bei den eigenen Leistungen, Kompetenzen und Qualifikationen.

Was noch wichtig ist

Im Rahmen einer Gehaltsverhandlung darf man auch nicht vergessen, dass es noch andere Formen der Vergütung gibt, wie Weiterbildung, Kantine, Zusatzversicherung etc. Das also unbedingt immer vorschlagen!

Wenn man sich komplett unter dem Wert verkauft, dann ist es ohnehin Zeit zu gehen.

Fakt ist: Frauen sollten nicht anders behandelt werden, nur aufgrund ihres Geschlechts. Das ist sexistisch und schafft Gräben.

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