Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann startete 1988 als Einmannunternehmen, zog mit seinen Kräutern von Bauernmarkt zu Bauernmarkt und wurde belächelt. Heute produzieren allein in Österreich rund 300 Bio-Bauern für Sonnentor. Die feinen Bio-Tee- und -Gewürzkompositionen werden weltweit in über 50 Länder exportiert. Im Interview lässt der Mann mit der roten runden Brille durchblicken, wie viel Persönlichkeit in seinem Erfolg steckt.

WIFI-Blog: Wie wichtig war Authentizität für Ihren Erfolg?

Johannes Gutmann: Ich hatte als One-Man-Start-up nur 15.000 Euro Startkapital. Meine Authentizität hat mich auf viele Bühnen geholt und mir die Gelegenheit gegeben, meine Geschichte und die Einzigartigkeit zu erzählen. Das hat mich nichts gekostet und trotzdem viele Türen geöffnet. Ohne diese Authentizität wäre ich nicht so erfolgreich geworden.

Jeder kennt Sie mit roter runder Brille und alter Lederhose. Welche Bedeutung haben diese Symbole für Ihre Persönlichkeit?

Sie sind meine Markenzeichen. Für Geschichten und zur Unterstreichung der Authentizität braucht es einfache Symbole, die immer wiederkehren. Wenn man eine persönliche Marke entwickeln kann, die zu einem passt, dann ist der Erfolg vorprogrammiert. Das unterstreicht die Glaubwürdigkeit, weil die Menschen sich darauf verlassen können – und die Einzigartigkeit.

Welche Rolle spielt Persönlichkeit heute, wenn wir zum großen Teil über digitale Medien kommunizieren?

Die Persönlichkeit spielt weiterhin die Hauptrolle und wird sogar immer wichtiger. Denn auch in den sozialen Medien kann man sich nur durch seine Einzigartigkeit von der Masse abheben. Sie sind ein Meer, in dem viele Fische an der Oberfläche schwimmen. Wem etwas gefällt, der will in die Tiefe gehen – und dafür braucht es Nähe und Persönlichkeit. Erst dann gehen die Fische ins Netz, die für den Erfolg wichtig sind. Durch die digitalen Medien ist alles sehr kurzlebig geworden – Authentizität ist die Chance, langfristig gesehen zu werden. Jeder ist einzigartig auf dieser Welt – daran wird auch die Digitalisierung nichts ändern.

Worauf achten Sie bei der Auswahl von Menschen, mit denen Sie gemeinsam Ziele erreichen wollen?

Wenn man mit Menschen langfristig zusammenarbeiten und gemeinsam Ziele erreichen will, braucht es eine gemeinsame Vision. Jeder hat seine Talente, und die Gegensätze, die auf diese Weise in einem Team entstehen, sind ebenfalls wichtig. Von diesen Menschen lerne ich am meisten. Aber letztlich müssen sich auch diese Gegensätze auf Gemeinsamkeiten einschwingen.

Sie haben sich von Krisen nicht entmutigen lassen. Welche persönlichen Eigenschaften braucht es, damit man Niederlagen als Chance ergreifen kann?

Wer Krisen annehmen und akzeptieren kann, für den geht es auch wieder aufwärts. Dafür braucht es Bescheidenheit und Demut. Diese Eigenschaften haben mir meine Eltern und die Umgebung im Waldviertel mitgegeben – und dafür bin ich sehr dankbar.

Was macht gute Führungskräfte in Zeiten der ständigen Veränderung aus?

Das einzige Beständige in der Wirtschaft ist die Veränderung. Diese in Demut anzunehmen und sich mutig den Herausforderungen zu stellen gilt für Führungskräfte ebenso wie für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gute Führung heißt auf keinen Fall, von oben nach unten zu treten, sondern Verständnis für sein Team zu haben und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Nur so kann es langfristig einen gemeinsamen Weg geben.

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Wie wichtig ist Vertrauen für gute Führung?

Vertrauen ist eine der wichtigsten Qualitäten von Führungskräften und steht in engem Zusammenhang mit Selbstvertrauen. Denn wer kein Vertrauen in sich selbst hat, kann auch zu anderen kein Vertrauen aufbauen. Wir bei Sonnentor haben keine hierarchische Pyramidenorganisation, sondern eine langfristige Vertrauensorganisation aufgebaut. Wir wollen so agieren, wie wir auch selbst am Markt behandelt werden wollen. Ob im Unternehmen oder nach außen hin in den Geschäften: Uns geht es um persönliche Bindung, Authentizität – und um den Sinn. Wenn die Menschen in der Marke Sonnentor den Sinn erkennen und ihn auch wertschätzen, dann kommen sie wieder. Dieses Vertrauen, diese Loyalität ist das Ergebnis dieser Vertrauensorganisation. Wenn wir von der Führung weg Vertrauen aufbauen, dann können wir langfristig auf Vertrauen zählen und erfolgreich werden. Somit ist Vertrauen einer unserer wichtigsten Unternehmenswerte.

2019 haben Sie beschlossen, sich vermehrt aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Fällt es Ihnen leicht, Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vertrauen?

Auf jeden Fall. In der neuen Geschäftsführung von Sonnentor sind Menschen, die wissen, wie Sonnentor tickt, die sich in der Vergangenheit hervorragend integriert und selbst Ideen eingebracht haben. Ich kenne ihre Qualitäten und weiß, dass sie das Unternehmen gut in die Zukunft bringen werden. Damit bin ich auch nicht mehr so gefordert für die täglichen Entscheidungen. Ich werde aber weiterhin Teil der Geschäftsführung sein und das Unternehmen begleiten, bin aber nicht mehr derjenige, der die Maßstäbe setzen wird.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Aufgrund des Aufbaus meines Unternehmens hatte ich sehr wenig Zeit für meine Familie. Nun ist die Zeit gekommen, in der ich das Familienleben genießen darf, und das ist mir sehr wichtig. Ich möchte meine Kinder auf das Leben vorbereiten – und, wer weiß, vielleicht auch auf eine Übernahme von Sonnentor. Das hat aber noch Zeit. Meine Kinder sind noch sehr jung, und ich bin auch noch nicht so alt. Trotzdem: Je früher man beginnt, umso früher ist man am Ziel. Mir geht es darum, für Sonnentor den Weg in eine zuversichtliche Zukunft zu ebnen – jetzt einmal mit einem Management, das intern aufgebaut wurde, und langfristig mit Familienmitgliedern. Wenn das nicht geht, gibt es immer die Möglichkeit, weiterhin Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei Sonnentor tätig sind, auf die Führung des Unternehmens vorzubereiten. Das sehe ich als meine Aufgabe.

Ihr persönliches Motto, das Sie stets im Leben weitergebracht hat?

Leben und leben lassen. Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu. Das sind einfache Grundsätze, die man schon jedem Kind mitgeben sollte. Wenn diese einmal verstanden worden sind, tragen sie einen in die Zukunft.

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