Nein, aber worauf wir uns heute schon einstellen können: Wir werden mehr mit Maschinen zusammenarbeiten, manche Tätigkeiten gar nicht mehr tun und besonders mit unseren menschlichen Fähigkeiten glänzen. Auf den Punkt gebracht heißt das: Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitswelt von morgen.

Was ist eigentlich künstliche Intelligenz?

Intelligenz ist die Fähigkeit, logisch zu denken, zu lernen und selbstständig Probleme zu lösen. Maschinen sind davon noch weit entfernt, was sie jedoch bereits heute können, ist das Erlernen von Mustern und Abläufen – ähnlich wie wir Menschen es tun. Beim maschinellen Lernen wird das KI-System mit Beispieldaten gefüttert – also definierten Schritten, die zu einer bestimmten Lösung führen – und trainiert.

Dieser Algorithmus nutzt regelmäßiges Feedback oder Validierungsdaten, um sich zu verbessern. Ziel dieses „überwachten“ Lernens ist, dass die KI nach dem Training eigenständig Lösungen für neue und unbekannte Probleme findet. Für diese künstliche Intelligenz – englisch „artificial intelligence“ – braucht es eine große Verfügbarkeit an Daten und eine hohe Rechenleistung.

Turbo für die Wirtschaft

Seit mehr als 70 Jahren wird an künstlicher Intelligenz geforscht. Doch erst in den vergangenen Jahren gelang der Durchbruch. Die Fortschritte bei KI sind enorm. Schon heute kommt KI in vielfältigen Bereichen zum Einsatz – von administrativen Prozessen im Kundenservice über KI-basierte Verkehrszeichenerkennung beim autonomen Fahren bis hin zu intelligenten Assistenzsystemen in der Gesundheitsversorgung.

Für die Zukunft prognostizieren Fachleuchte der KI ein hohes wirtschaftliches Potenzial: Das Beratungs- und Technologieunternehmen Accenture rechnet etwa damit, dass durch die Verbreitung von KI das Wirtschaftswachstum in den Industrienationen in rund 20 Jahren doppelt so hoch ausfallen wird als im Szenario ohne KI. Für Österreich wird in dieser und vergleichbaren Studien stets ein sehr hohes Potenzial ausgewiesen: Demnach wäre mit einer zusätzlichen Bruttowertschöpfung der heimischen Roboterökonomie von 137 Milliarden zu rechnen. Die Produktivität der Beschäftigten würde um 30 Prozent steigen.

Menschen müssen bessere Menschen werden

Ob KI in Zukunft mehr Arbeitsplätze schaffen wird, als durch sie ersetzt werden, darüber scheiden sich die Geister. Als sicher gilt, dass der Einsatz von KI zu gravierenden Änderungen in der Beschäftigungswelt führen wird – insbesondere hinsichtlich künftiger Bedarfe an Qualifikationen und Arbeitsmodellen.

In einer Studie haben Markus Reitzig und Vlad Mitroi von Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien anhand des amerikanischen Arbeitsmarkts zwischen 2012 und 2017 erstmals Daten analysiert, wie maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändern. Das Ergebnis: Je weniger ein Berufsprofil Kreativität, soziale Intelligenz, Fingerfertigkeit und Interpretationsgeschick verlangt, desto eher macht sich das in sinkenden Gehältern bemerkbar.

Auch Gutverdiener sind betroffen

Die größten Effekte zeigen sich bei gut verdienenden Arbeitnehmer/innen. Demnach trifft der technologische Wandel nicht nur einfache Routinetätigkeiten von schlecht ausgebildeten Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmern. Univ.-Prof. Dr. Markus Reitzig: „Jene Berufe, für die einige in den 1980ern noch lange studieren mussten und heute gut bezahlt werden, bestehen oft aus analytischen Tätigkeiten. Und in genau diesen Berufen werden Maschinen eben exponentiell besser.“

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Welche Veränderungen kommen?

Die Auswirkungen von KI in der Arbeitswelt werden wir entlang vieler Aspekte spüren. So werden Aufgaben, die heute nur von Menschen erledigt werden können, sich in Zukunft durch KI teilautomatisieren oder vollautomatisieren lassen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir uns selbst wegrationalisieren, sondern dass sich unsere Aufgabenfelder ändern. Man denke nur an die Einführung von Tabellenverarbeitungsprogrammen, welche zunächst als Hiobsbotschaft für Buchhalter und Finanzabteilungen gesehen wurden.

Wie sich im historischen Verlauf jedoch herausstellte, hat sich das Berufsbild sehr stark in Richtung Kundenkontakt und Beratung gewandelt – von einer „Wegautomatisierung“ kann also keine Rede sein. Eine mindestens genauso große Veränderung werden KI-basierte Planungsmethoden bringen, bei denen neue Lösungswege durch eine KI entwickelt werden. Während im letzten Jahrzehnt vor allem jene KI für Aufmerksamkeit sorgte, die Video- und Brettspiele besser als jeder Mensch lösen konnte, werden diese Methoden auch sehr schnell in Logistik- und Steuerungsthemen Einzug halten.

Herausforderungen für alle Branchen

Was österreichische Großunternehmen gerade erlernen müssen, ist die sinnvolle Einführung von KI in „klassischen“ Branchen wie der Industrie, Forstwirtschaft oder Tourismus. Hier gibt es bisher international nur sehr wenige Beispiele, an denen man sich orientieren kann. Gleichzeitig sind es aber genau diese Branchen, bei denen China in diesem Jahrzehnt die Technologieführerschaft übernehmen will.

Spezialisierte Weiterbildung ist wichtig

KI wird oft als die wichtigste Technologie unserer Zeit angesehen. Aufgrund der hohen Flexibilität und Branchenunabhängigkeit der Technologie bin ich überzeugt davon, dass jeder von Weiterbildung profitieren kann. Auch zu den Anfängen der PCs ging man davon aus, dass nur klassische Bürojobs davon betroffen sein würden. Sehr bald erkannte man aber, dass sämtliche Berufe und Branchen nicht nur davon betroffen sind, sondern auch massiv davon profitieren werden. Eine mindestens genauso große Welle steht uns mit KI in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bevor.

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