Das ist bekannt: An den WIFIs gibt es das breiteste Weiterbildungsangebot. Darunter viele Spezialausbildungen, die nicht so ganz alltäglich sind. Im Rahmen unserer aktuellen Kampagne „Lern dich weiter“ holen wir sie vor den Vorhang. Diesmal: Baumpfleger.

Philipp Maichanitsch (Foto: L. Mercedes)

Philipp Maichanitsch ist heute selbstständiger Baumpfleger.

Er hat mit einer Landschaftsgärtnerlehre angefangen. Nach der Meisterprüfung kam die Ausbildung zum Forstfacharbeiter und separat ein Motorsägenkurs, Seilkletterkurse und der „European Tree Worker“, dazwischen noch die Ausbildung zum Baumkontrolleur.

Doch Weiterbildung war Maichaitsch nicht genug: 2013 wagte er sich mit einem Kollegen in die Selbstständigkeit – mit Anfang 20. Damals noch zu zweit. Mit einem Auto und ein bisschen Werkzeug. Es habe dann relativ gut funktioniert, sagt er heute.

WIFI-Blog: Was kann man sich unter Baumpflege vorstellen?

Philipp Maichanitsch: In der Baumpflege geht es darum, Bäume möglichst lange vital und verkehrssicher zu erhalten. Man achtet beispielsweise auf ein Lichtraumprofil. Das bedeutet: 2,5 Meter müssen frei bleiben über einem Gehsteig, 4,50 über einer Straße. Man schneidet Äste, die runterbrechen könnten, oder man passt Kronen, die asymmetrisch gewachsen sind, an den Baum an, damit die Standsicherheit gegeben ist.

Gibt es einen Unterschied zwischen Baumpfleger/innen und Gärtner/innen?

Ja. Baumpfleger ist ein relativ junger Beruf, es gibt viele Quereinsteiger. Das sind meist Leute die nur die Kletterkurse gemacht haben. Ich bin vom Gärtnern in die Baumpflege gekommen. Die Baumpfleger, die bei uns arbeiten, haben alle gärtnerische Erfahrung. Darauf lege ich sehr viel Wert. Man muss schon die Biologie einer Pflanze verstehen, damit das Ganze auch funktioniert.

Was ist mit individueller Gartengestaltung gemeint? Ist das so etwas, wie man es aus diesen Vorher-Nachher-Fernsehsendungen kennt?

Das ist ein sehr breit gefächertes Thema. Gartengestaltung umfasst Kleinigkeiten wie Rasenmähen, Sträucher rückschneiden, Bäume pflegen. Aber auch das Anlegen einer neuen Wiese. Und Gestalterisches wie Pflanzen setzen, Beete anlegen, Wege und Mauern bauen – wirklich alles, was zum Garten dazu gehört.

„Die Natur erfüllt mich!“

Sie sind selbstständig. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Wir sind eher ein kleiner Betrieb mit insgesamt sieben Leuten. Ich selbst kümmere mich um Aufträge, fahre zu den Kunden, schreibe Angebote. Ich plane das Ganze, koordiniere die Termine. Jeden Morgen teile ich ein, wer was macht und wer zu welchen Baustellen fährt. In unserer Firma arbeiten fast nur Fachkräfte, außerdem haben wir einen Lehrling. Im Büro habe ich Hilfe. Ich bin auch selber auf Baustellen unterwegs, mit verschiedenen Geräten, klettere auch. Ich bin so etwas wie das Mädchen für alles! 🙂

Was machen Sie eigentlich im Winter?

Wir arbeiten bis ca. 20. Dezember. Bis dahin gibt es genug zu tun. Die Baumpflege spielt sich meist im belaubten Zustand ab. Es ist wichtig, dass man das nicht im Winter macht, denn die Bäume müssen im Saft stehen. Im Winter sind die Bäume in der Saftruhe, sie können keine Wunden schließen und verheilen. Deswegen sollte man nichts machen außer Totholz entfernen und Fällungen.

Dann versuche ich, einen Monat Pause zu machen, weil die Herbstzeit – genauso wie der Frühling – sehr anstrengend für uns ist. Ende Jänner beginnen wir dann wieder damit, in der Firma selbst alles auf Vordermann zu bringen. Dann fangen die ersten Arbeiten an. Vorerst gibt es keine schweren Eingriffe in die Bäume, nur kleinere Gartenarbeiten. Dann beginnen wir langsam zu setzen. Am besten ist es natürlich, wenn man am Frühlingsanfang damit beginnt. Dann beginnt alles auszutreiben, dann geht’s rund! 🙂

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Was lieben Sie denn am meisten an Ihrer Arbeit?

Ich bin einfach gerne draußen unterwegs und ich finde es schön und wichtig, die Natur zu pflegen. Das erfüllt mich. Ich gehe am Abend schlafen und denke mir, ich habe etwas Sinnvolles gemacht. Wenn man ein gutes Team hat, ist das natürlich noch besser. Ein Leben lang draußen – das würde ich auch so belassen. Ich versuche, die Büroarbeit so gering wie möglich zu halten.

„Man muss anpassungsfähig sein“

Was war das tollste Projekt bis jetzt?

Wir hatten bereits sehr, sehr viele Baustellen und Arbeiten. Mit speziellen Bäumen oder Naturdenkmälern, an die man sich erinnert. Wenn man beispielsweise vor einer Platane steht, die 45 Meter hoch ist und einen Stammumfang hat von acht Metern, und man klettert acht Stunden auf diesem Baum herum. Dann hat man wirklich etwas Cooles gemacht. Oder man kommuniziert mit der Denkmalbehörde und wird vielleicht auch gelobt. Das ist etwas sehr Schönes, sehr Befriedigendes. Das ist ja unser Beruf. Das hört ja nicht auf, alles wächst. Zum Glück.

Stört es Sie nicht, wenn es mal ein bisschen kälter ist?

Ja, die Leute denken eben oft: „Gärtner: Das ist immer schön!“ Aber in Wahrheit ist es zwei Wochen im Frühling und zwei Wochen im Herbst schön. Sonst ist es entweder kalt, nass, heiß, es regnet, es schneit, es stürmt. Es ist schon sehr hart, muss man schon sagen. Das muss man auch wollen. Es ist schon sehr anstrengend, es ist für viele Leute einfach nix, das stimmt sicher. Und oft geht es mir selber so, dass ich denke: Jetzt wäre ich gerne drinnen. Das gehört bei uns eben dazu. Das nehme ich aber gern in Kauf. Man muss anpassungsfähig sein.

Und Sie wollten immer schon in der Natur arbeiten!

Eigentlich gar nicht! Ich war zwar schon immer naturverbunden, aber es war dann eher ein Zufall. Mein Vater ist Förster, da war mir die Natur schon sehr nahe. Ich bin in Waldnähe aufgewachsen, Lainzer Tiergarten, Hermesvilla. Das war sehr schön. Ich habe zuerst die Schule gemacht für Innenraumarchitektur, wollte diese aber nicht mehr fortsetzen. Dann hat mir eine Freundin professionelle Hilfe angeboten. Sie hat mich gefragt, was meine Interessen und Hobbys sind, was meine Eltern machen. Und sie sagte „Was ist mit Gärtnern?“ Bis dahin hatte ich noch nie darüber nachgedacht. Dann hat sie mir eine Liste mit Firmen ausgedruckt, bei denen ich angerufen habe und Schnuppertage gemacht habe. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und so bin ich eben in diese Schiene – sag‘ ich mal – „reingerutscht“. Und wie es dann weiterging, wissen Sie ja schon …

Hier geht’s zur Webseite von P&E Baumpflege.