Sitzt du noch oder stehst du schon? Hoffentlich zweiteres. Denn Sitzen ist Gift für den Körper. Was dagegen hilft? Auch dort zu sporteln, wo wir uns am meisten aufhalten: Im lieben Büro. 

Sitzen ist das neue Rauchen, heißt es neuerdings bedrohlich. Es sei ähnlich schlecht für unseren Körper als der böse Glimmstängel. „Statistisch gesehen ist Sitzen sogar noch schlimmer als Rauchen. Es ist ein Risikofaktor für frühes Sterben“, sagt der deutsche Internist Erix Söhngen dem „Standard“. Wie es dazu kommt, ist relativ leicht erklärt: Wenn sich der Körper bewegt, senden seine Muskeln Mykoine. Das sind Botenstoffe, die Entzündungsreaktionen im Körper mitregulieren und das Immunsystem stärken. Wenn sich der Körper hingegen nicht bewegt, passiert eben nichts an diesen Gesundheitseffekten. Mit all den Spätfolgen.

„Toter Hintern-Syndrom“

Und noch etwas ist ein Disaster beim Sitzen: Der Körper wird abgeknickt, so Söhgen. „Das verlangsamt den Blutfluss, komprimiert den Bauchraum und führt dazu, dass die Verdauung und Atmung chronisch beeinträchtigt werden. Weil sitzend einfach nicht der Platz da ist, der von Natur vorgesehen wurde. In den Beinen drohen zudem Probleme mit den Blutgefäßen, das Herz wird schwach. Und die Gesäß- und Oberschenkelmuskeln werden durch die ständige Kompression geschädigt

Dazu kommt ein meist schlechte Sitzposition, überschränkte Beine, sprich: Schultern zu weit vorne, das Gesicht zu nahe am Bildschirm, eine lümmelnde Haltung am Hals. Nicht selten führt diese unnatürliche Beugung zu Nackenschmerzen, übermüdeten, schweren Beinen, trockenen Augen und zu einen hässlichem Buckel.

Für die Probleme mit dem Hintern gibt es sogar einen Namen, nämlich das „Dead Butt Syndrome“ oder „Toter Hintern-Syndrom“. Der Po fällt nämlich sitzend in eine Art Schlafzustand. Die Gesäßmuskeln bauen sich ab und „vergessen“ ihre Aufgaben, nämlich die Unterstützung des Beckens und die richtige Körperausrichtung.  Typische Spätfolgen sind Rückenschmerzen, Probleme in der Hüfte bis hinunter ins Knie und in die Füße.

Aufstehen hilft

Sitzen ist also böse. Was tun, wenn man nicht unbedingt dort ist, wo der Sport offensichtlich lockt, also nicht im Fitnessstudio, bei der Laufstrecke oder Tennishalle? Ganz einfach: Es bringt schon viel, aktiv einfach aufstehen und so viel als möglich zu gehen. Dabei nicht von den berühmten 10.000 Schritte abschrecken lassen, die sind beängstigend hoch. Jeder Schritt zählt, lieber weniger, dafür nicht abreißen lassen. Lieber der Lieblingskollegin kurz Hallo sagen oder vor die Tür schauen als den ganzen Tag vor dem Computer rumhängen.

Gesundheit & Wohlbefinden

Stieg und spring dich fit

Wie wär’s mit einem Laufrad oder einem Stand-Radl für’s Büro? Gewiss ein gut investiertes Geld – wenn es tatsächlich auch bestiegen wird. Doch halt, bevor du jetzt gleich ein Gerät shoppst, denk daran: Es ist nicht der schlaueste Weg, etwas zu kaufen und dann zu glauben man ändert allein durch den Kaufakt sein Verhalten. Lieber mal schauen, was man mit dem machen kann, das ohnehin vor Ort ist.

Das beste Tool ist in fast jedem Büro nämlich ziemlich prominent vorhanden. Es ist relativ groß und breit, wird regelmäßig gereinigt und in einer kleinen Fantasiereise hat man sogar das Gefühl einen Berg zu erklimmen. Bingo! Der beste Stepper der Welt: die gute alte Stiege. Mal rauf, mal runter, und schon wird man fitter.

Oder aber ihr kauft euch ein Trampolin. Damit lässt sich kurzweilig in der Gruppe sporteln und vielleicht könnt ihr  ja das nächste Gang-Getratsche kurzerhand hüpfend veranstalten? Warum nicht. Ebenso unterhaltsam ist auch eine Spielkonsole, anhand der ihr tanzt oder trendige Fitness-Übungen macht, Kichern inklusive. 

Stehtische in Büros?

Immer mehr Firmen tragen Stehtische in Büros rein. Eine gute Sache, sofern man sich auch hinstellt. Denn wie wir alle wissen, lässt nach einer Anfangseuphorie die Begeisterung oft deutlich nach und die Gewohnheit kommt wieder durch.

Vielleicht hilft es selbst eine klare Zeit zu fixieren, wann man aufsteht und wann man sich wieder niedersetzt. Vielleicht davor und danach noch ein paar Hampelmänner? Jede Viertelstunde zählt. Auch die Psyche freut sich. Schon zehn bis 30 Minuten Sport reichen laut „Psychologie heute“ l aus, um das innere Barometer auf heiter zu drehen. 

Nutze deine Wege!

Dann hätten wir noch die Mittagspause. Eine kleine Laufrunde, ja vielleicht ein Kurzbesuch im Fitness-Studio oder ein zügiger Nordic Walk zum Bäcker und der Kreislauf kommt wieder in Schwung, man tankt frische Luft und die Muskeln haben endlich was zu tun. Und: Man wird mit dem angenehmen Gefühl danach belohnt.

Auch wenn Sport fast immer eine Überwindung ist, so zahlt es sich aus. Man fühlt sich danach einfach besser als davor. Also nicht lang rumüberlegen! Einfach rein in die Laufschuhe und los geht’s. Was man ebenso täglich nutzen kann, ist der Weg zur Arbeit. Zum Beispiel mit dem Fahrrad oder laufend. Selbes gilt für den Heimweg. Damit kommt man leicht auf eine halbe Stunde Sport pro Woche ohne dass man viel von der Freizeit abzwacken muss. 

Kurzturnen mit Tagebuch

Jede Stunde für fünf Minuten aufzustehen und seine Lieblings-Übungen zu machen – auch das bringt was! Ob Klimmzüge im Türrahmen, Sit-ups oder Hampelmann. Für die Ausdauer besonders empfehlenswert ist eine Springseil. Hüpfend kommt man schnell auf Touren. Man kann ziemlich effektiv trainieren. Egal wofür man sich entscheidet: Unbedingt vorher überlegen, was man machen möchte, sonst verzettelt man sich. Dann eine Woche dranbleiben und regelmäßig die Übungen wechseln. Wer möchte kann eine Bewegungstagebuch führen. Darin kann man auch gleich die Erfolge aufzeichnen, ein zusätzlicher Ansporn. 

Auch Putzen zählt

Last but not least, insbesondere für’s Homeoffice: Auch Putzen zählt als Bewegung. Staubsaugen, Wischen oder Aufräumen kann Kraft und Ausdauer beanspruchen. In Zahlen gerechnet: Eine Stunde Staubsaugen oder Fenster-Putzen verbraucht 200 Kalorien. Wer eine Stunde aufräumt, kann 180 Kalorien verbrennen und wer das Badzimmer gründlich reinigt, sogar 300 Kalorien. In diesem Sinne, frohes Putz-Sporteln. 

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