Schweißen lernen ist nicht einfach. „Wenn man alle Verfahren perfekt beherrschen will, braucht man dafür gut und gerne 10 Jahre“, meint WIFI-Schweißtrainer Gerhard Panholzer. Er hat uns im Interview erzählt, warum Schweißen so schwierig zu erlernen ist – und wo man mit Schweißkursen punkten kann.

WIFI-Blog: Was müssen Schweißer unbedingt mitbringen?

Gerhard Panholzer: Früher hat man gesagt: Als Schweißer musst du nicht viel können. Wenn aber ein Schweißer nicht das notwendige Wissen hat, kann das schlimme Konsequenzen haben. Es wird immer wichtiger, sich mit dem Thema IT auseinanderzusetzen. Denn mittlerweile gibt es die Möglichkeit sogenannte „Jop-Programme“ zu speichern. Das sind abgespeicherte Schweißeinstellungen, damit auch ungeübtes Personal ein brauchbares Ergebnis erzielen kann.

Allerdings werden in Österreich die meisten einfachen Schweißarbeiten an billigere Produktionsstätten ausgelagert. Die qualitativ anspruchsvolleren Erzeugnisse werden nach wie vor im Inland hergestellt – und dafür braucht man eben eine gute Ausbildung.

Stichwort Digitalisierung: Was wird sich für Schweißer ändern?

Durch die Digitalisierung werden Schweißkenntnisse sogar noch wichtiger. Ja, die Maschinen sind leichter zu bedienen. Allerdings gibt es auch viel mehr Möglichkeiten. Vor allem in Spezialfällen, von denen es in Österreichs Betrieben viele gibt, muss man sich sehr gut auskennen, um die gewünschten Ergebnisse zu bekommen. Beim Einstellen und Nachjustieren kommt es immer auf das Können und die Erfahrung des Schweißers an.

Wie haben sich die Schweißgeräte in den letzten Jahren verändert?

Schweißgeräte haben sich revolutioniert, seit man leistungsstarke Prozessoren verwendet. Die Inverter-Technologie bringt große Vorteile bei Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Es gibt vier gängige Schweißverfahren:

  • MAG-Schweißen (Metall-Aktiv-Gas): Die Drahtelektrode wird kontinuierlich zugeführt und vom Lichtbogen abgeschmolzen. Das MAG-Schweißen ist am verbreitetsten. Es ist am wirtschaftlichsten und leicht in der Handhabung.
  • WIG-Schweißen (Wolfram-Inert-Gas): Der Lichtbogen brennt zwischen einer nicht-abschmelzenden Wolframelektrode und dem Grundwerkstoff. Der Schweißzusatz wird von Hand zugegeben. WIG-Schweißen wird dort eingesetzt, wo Genauigkeit zählt, z.B. beim Arbeiten im Ladenbau, Rohleitungsbau, Maschinenbau.
  • Elektrohandschweißen: Schweißen mit Stabelektroden.
  • Autogenschweißen: Schweißen mit Azetylen und Sauerstoff.

Wer diese Verfahren perfekt beherrschen will, braucht dafür gut und gerne zehn Jahre.

Wie darf man sich Schweißkurse im WIFI vorstellen?

Schweißkurse bestehen aus einem Drittel Theorie und zwei Dritteln Praxis. Die WIFIs bieten Schweißkurse in verschiedenen Verfahren und in unterschiedlichen Längen an. Es ist auch möglich Einzeltrainings zu besuchen. Der Stoff ist umfangreich, deshalb bleibt von der Theorie oft wenig hängen. Wer allerdings richtig gut schweißen will, muss ohnehin mehr Zeit investieren. Nach einem Jahr Schweißen kann man dann sagen: „Ich kann’s jetzt“.

Aus welchen Branchen kommen die Teilnehmer? 

Die meisten Kursteilnehmer kommen aus metallverarbeitenden Berufen oder wollen in diesem Bereich tätig werden. Wer das anstrebt, sollte schon Schweißen können. Wie gut man in der Lehrausbildung Schweißen lernt, hängt sehr stark vom Lehrbetrieb ab. Die Schweißausbildung in der Berufsschule reicht für schwierige Arbeiten nicht aus. Um einen hohen Level erreichen zu können muss man Geduld und Genauigkeit mitbringen.