Egal ob Geschäftspartner in Saudi-Arabien, Lehrling mit pakistanischem Migrationshintergrund, oder die neue Health Goth*-Bekannte. Wir tauchen oft in fremde Kulturen ein – oder gehören selbst zur Kultur, in die eingetaucht wird. Dafür braucht man interkulturelle Kompetenz. Die hat man – oder man eignet sie sich an.

Interkulturelle Kompetenz, wie bitte?

Interkulturelle Kompetenz beschreibt die Fähigkeiten und das Wissen, mit ein oder mehreren Personen aus unterschiedlichen Kulturen erfolgreich  zu kommunizieren und interagieren. So weit das Lehrbuch.

Eine „Kultur“ beschreibt verschiedene Menschen, die gewisse Normvorstellungen oder Regeln teilen und sich dadurch von anderen Gruppen unterscheiden. Interkulturell bedeutet dabei nicht das Gleiche wie „international“.

Denn eine Kultur, ein Kulturkreis oder eine kulturelle Gruppierung beschränkt sich nicht auf ein bestimmtes Territorium – und ist auch in sich nicht homogen. Wer schon einmal gereist ist, wird schließlich bestätigen können: Es gibt sie nicht, „die Österreicher“ und „die Amerikaner“!

Verschiedene Kulturen gibt es also überall?

Ja, genau. Verschiedene Kulturen exisitieren innerhalb eines Landes, eines Freundeskreises, einer Beziehung, einer Familie. Denn: die Zugehörigkeit zu einer kulturellen Gruppe ist nicht (nur) definiert durch Staatsbürgerschaft, Nationalität, Religion oder ethische Merkmale. Ein Beispiel ist die Punk-Kultur.

In einer globalisierten Welt sind die einzelnen Kulturen und Kulturkreise nicht voneinander abgetrennt und stehen miteinander in Wechselwirkung. Grenzen treten überall dort auf, wo Menschen bewusst beschränken, physisch wie psychisch.

Wie werde ich „interkulturell kompetent“?

Etikette-Ratgeber und vermeintliche Verhaltensregeln auswendig zu lernen, bringt gar nichts. Es gibt keine homogenen Gruppen, daher auch keine Verallgemeinerungen. Sie können sich aber spezifisches Wissen aneignen und bestimmte Fähigkeiten steigern:

1. Konkrete Vorbereitung hilft!

Trifft man auf eine fremde Kultur, kann man bereits im Voraus einiges bedenken – hier die wichtigsten Themenbereiche im Überblick:

  • Verabredungen: Termine vereinbaren, Pünktlichkeit
  • Treffen: Begrüßung, Anrede, Gesprächs-Themen, Komplimente
  • Äußerlichkeiten: Kleidung, Styling, Accessoires
  • Essen & Trinken: Gewohnheiten und Rituale, Alkohol, Trinkgeld
  • Kommunikation & Interaktion: Sprache, Tonalität, Verständlichkeit, nonverbale Zeichen und Symbole
  • Humor: Ironie, Sarkasmus, Themen
  • Nähe-Distanz Verhältnis: Augen- und Körperkontakt, Kontaktaufnahme

TippRecherchieren Sie, welche Bedeutungen, Werte, Codes, oder vereinbarten Regeln in der jeweiligen Kultur damit verbunden sind!

Tipp! Dazu gibt es am WIFI Wien regelmäßig eLearning-Kurse: Interkulturelle Kompetenz weltweit“. Wie man spezielle Konflikt- oder Problemsituationen beilegt, kann man auch am WIFI Wien lernenInterkulturelle Problemstellungen

2. Reflektieren Sie Ihre Wahrnehmung!

Durch unsere Wahrnehmung entsteht unser „inneres Bild“. Das Gehirn sucht nach Strukturen, Kategorien und Sinn und bezieht dabei unsere Lebenserfahrung mit ein.

Natürlich haben wir die Fähigkeit, unsere Eindrücke zu hinterfragen, so gut es geht. Viel zu oft sind wir Trugbildern konfrontiert. Aber schon allein das Wort bedeutet, das wir in der Lage sind, dahinter zu blicken.

Die Botschaft einer verbalen oder nonverbalen Nachricht kann unterschiedlich ausgedrückt und aufgefasst werden. Diese Unterschiede beschreibt der deutsche Psychologe und Kommunikationswissenschafter Friedemann Schulz von Thun in seinem Vier-Seiten-Modell.

Bei Kommunikationsschwierigkeiten können Sie:

  • auf eine klare und leicht verständliche Aussprache achten.
  • bei inhaltlichen Unklarheiten einfach nachfragen. Das ist nicht nur höflich, sondern räumt auch etwaige Missverständnisse gleich aus dem Weg.
  • Ihre Soft Skills beim WIFI auf Vordermann bringen!

3. Einfühlungsvermögen schulen

Empathie ist eine noble Eigenschaft. Sich in andere hineinzuversetzen kann aber manchmal ganz schön schwierig werden. Vor allem, wenn man mit seinen eigenen Werten und Vorstellungen an Grenzen stößt, sich mitunter sogar verletzt oder angegriffen fühlt.

Vergessen Sie nicht: Jeder Mensch hat seine Geschichte, Prägungen, Ideale, Wünsche, die vielleicht ganz anders sind als Ihre.

4. Distanz zu Masken und Rollen wahren!

Jeder von uns spielt eine Rolle, um sich zu schützen oder einen höheren Status zu erlangen, kurz: um etwas darzustellen. Ein Blick hinter die Kulissen kann sich auszahlen! Versuchen Sie aber nicht Ihre Mitmenschen zu entlarven. Sie möchten doch auch so akzeptiert werden, wie Sie sich nach außen hin präsentieren, oder?

5. Nachsicht üben!

Bei Fauxpas, Widersprüchen oder Fehlern: Gehen Sie weder mit sich noch der anderen Person zu hart ins Gericht! Fehler können, dürfen und sollen sogar passieren. Sie sind Teil eines Lernprozesses.

Plus: Bleiben Sie authentisch, dann verzeiht man gern „Ausrutscher“ oder sieht diese nicht so eng. Im Idealfall ist die Person bzw. Personengruppe mit der sie interagieren ebenfalls „interkulturell kompetent“!

Ein Health Goth ist übrigens jemand, der sich im Stil der Gothic- Szene kleidet, also bevorzugt schwarz, gepaart mit einem hohen Interesse an Sport und Fitness. 🙂