Sina gibt seit ein paar Wochen Deutschunterricht für Asylwerberinnen. Sie dachte: „Deutsch ist meine Muttersprache, das kann ich vermitteln, so kann ich helfen.“ Im Internet findet Sina eine Geschichte, die neue Vokabeln zum Thema „In der Stadt“ enthält. Perfekt für die nächste Deutschstunde, denkt Sina.

Doch es kommt anders als gedacht. Ein Beispiel lautet: „Miriam steht vor der Bank“. Moment! Zeynep, eine ihrer Deutschstudentinnen, versteht das nicht. Bank ist doch „die Bank“, es ist doch weiblich?  Allerdings heißt es auch „Ich gehe in die Bank“. Sina überlegt. Sie weiß: Beides ist richtig. Allerdings ist sie jetzt ein bisschen in Erklärungsnot. Eine Frage führt zu einer zweiten, ein Thema macht ein nächstes auf.

Situationen wie diese kennen all jene, die schon einmal versucht haben, Deutsch als Fremdsprache zu vermitteln – und es nicht gelernt haben. Oft hört man „Kauf dir ein gutes Buch, da steht alles drin!“. Für den Anfang helfen schon ein paar einfache Tipps. Wir liefern Sie euch in sieben Schritten!

Schritt 1: Nachfragen!

Als allererster Schritt sollten zuerst die Wünsche, Ziele und Voraussetzungen der Gruppe erhoben werden. Das machen auch alle Sprachtrainer beim WIFI. Welche Sprachen sprechen die Teilnehmer/innen? Auf welchem Sprachlevel befinden sie sich? Wie viele sind es? Wie alt sind sie? Was wollen sie erreichen? Erst danach beginnt man konkreter zu planen und fasst das jeweilige Level ins Auge. Dann kann man sich auch an einem Buch orientieren und die einzelnen Module nutzen. Ist einmal klar, welches Thema oder welche Grammatikeinheit man in der nächsten Stunde unterrichten möchte, kann man auch selbst Beispiele recherchieren.

Schritt 2: Lehrbücher nutzen!

Es gibt jede Menge Lehrbücher auf dem Markt. Aber das beste Buch hilft nichts, wenn es nicht zur jeweiligen Lehrperson passt. Am besten: Vorher ausprobieren und danach – wenn nötig – adaptieren.

Die Internetplattform des Verlags Hueber bietet verschiedenste Materialien zum Gratis-Download und Onlineübungen an, die als Ergänzung zu den Büchern gesehen werden können.

Hörbeispiele, ebenfalls passend zu den Büchern bzw. als Inspiration gibt’s auf Youtube.

Schritt 3: Übungsblätter recherchieren!

Übungsblätter aus dem Internet können hilfreich sein. Aber Achtung, wie überall muss man auch hier vorsichtig sein mit Gratis-Beispielen! Viele wurden von Laien erstellt, manche beinhalten auch Fehler, bei einigen sind konkrete Lernziele überhaupt nicht ersichtlich.

Die ausgebildete Deutsch-als-Fremdsprache-Trainerin Irmgard Graf-Gutfreund hat auf ihrer Homepage Materialien für erwachsene Deutschlernende zusammengestellt. Fast zu jedem Thema, jeder Grammatikeinheit, jedem Level finden sich hier Übungsblätter.

Sprachlern-Apps wie babbel.com sind sehr beliebt und tatsächlich hoch-effektiv. Nur mit einer App ist es jedoch den meisten auf Dauer zu schwierig oder zu langweilig, eine neue Sprache zu erlernen. Ein Kurserlebnis ist somit für viele durch nichts zu ersetzen: Man geht raus, trifft Menschen, schließt eventuell neue Freundschaften und nimmt Erlebnisse mit nach Hause.

Schritt 4: Gut vorbereiten!

Nun geht’s ans Eingemachte: Die planende Aufbereitung. Während der Vorbereitung sollte man sich überlegen, was man wann wie unterrichten kann. Langweiliger Frontalunterricht war gestern! Was überhaupt nicht geht: Übung 1, 2, 3, 4, 5 aus dem Buch nacheinander abarbeiten.

Es gibt ein Zauberwort, das schnell und unkompliziert als Schlüssel für sinnvollen Unterricht fungiert: Das KIOSK-Modell von Trainer und Berater Hubert Teml.

Es ist ein Unterrichtsmodell, das Schritt für Schritt den Unterricht gliedert und dennoch viele Freiheiten lässt. Es kann in allen Altersgruppen angewandt werden und bietet viel Abwechslung. Zudem merkt man es sich gut, weil jeder Buchstabe für eine Phase des Unterrichts steht:

K: Konfrontation

Begrüßung, Kennenlernspiele usw. finden hier ihren Platz. Müssen sie aber nicht – auch ein direkter Einstieg in den Unterricht ist möglich. Zu Beginn geht es vor allem darum, eine erste Konfrontation mit dem Thema zu ermöglichen, mal ein bisschen „anzustupsen“, worum es gehen wird. Das kann ein Film sein, ein Bildbeispiel, ein Song, eine Anekdote – irgendetwas, das die Teilnehmer/innen abholt und für das jeweilige Thema sensibilisiert.

I: Information

Es wird präziser: Jetzt zeichnet man einen genauen Umriss, was in einer nachfolgenden Selbsttätigkeit oder größeren Informationseinheit behandelt wird. Eine kurze Zusammenfassung – das kann auch nur ein Satz sein – bereitet vor; emotional sowie geistig.

O: Organisation

Der Unterricht wird gemanagt: Die Hörspiel-CD wird eingelegt, Kopien werden ausgeteilt, ein Spiel aufgebaut, etc.

S: Selbsttätigkeit

Laut Teml sollte sie den größten Teil der Unterrichtstätigkeit ausmachen. Ganz nach dem Prinzip „Learning by Doing“  lernt man am meisten, wenn man es selber macht. Von schriftlichen Einsetzübungen, über Partner/innenkonversationen, simplem lauten Vorlesen (= Aussprache trainieren) bis hin zu improvisierten Rollenspielen – ganz nach Niveaustufe und Gruppe (-dynamik) ist hier alles möglich, das die Personen ins Handeln bringt.

K: Kontrolle

Lernende wollen wissen, „wo sie stehen“ und auch man selbst als Lehrperson würde wohl auch gerne die Effektivität des Unterrichts evaluieren. Eine Wiederholung oder Zusammenfassung ist das Naheliegendste: Dies kann durch eine geführte Fragerunde, ein abschließendes Übungsbeispiel, in dem alles Gelernte noch einmal festgehalten wird, oder durch einfaches Vokabel-Abfragen stattfinden.

Besonders bewährt: Vokabelkärtchen mit Bildern

Schritt 5: Checklisten erstellen!

Im Vorfeld ist eine Checkliste wichtig: Sind alle Unterrichtsmaterialien und -medien vorhanden? Funktionieren sie? (Bücher, Spiele, Kopien, korrigierte Hausübungen, Teilnehmer/innenliste, Computer, Beamer, etc.). Idealerweise ist man mindestens 15 Minuten vor dem Start am jeweiligen Lernort und kann in Ruhe alles ordnen und vorbereiten.

Schritt 6: Nachbereiten nicht vergessen!

Nachbereitungszeit ist Reflexionszeit: Was hat gut geklappt, was nicht? Was muss gegebenenfalls wiederholt werden? Wo traten Schwierigkeiten auf? Was war lustig und ein voller Erfolg – warum?

Schritt 7: Vereinfachen!

Deutschlernen ist schwer genug! Leider ist nicht alles, was in Büchern an Grammatik erklärt ist, auch verständlich oder leicht nachvollziehbar erklärt. Es empfiehlt sich, genau zu recherchieren, verschiedene Zugänge zu vergleichen und vor allem: es selbst zu verstehen und frei erklären zu können. Aufgezeichnetes macht Erklärtes lebendiger. Außerdem merkt man sich Gezeichnetes leichter als nur wörtlich Erklärtes. 🙂

TippLust auf Deutsch-Unterricht(en)?

Deutsch Unterrichten ist viel Arbeit. Deshalb gibt es auch eigene Ausbildungen zur DaF/DaZ-Lehrperson, zum Beispiel in Wien.

Sprachkurse gibt es am WIFI jede Menge. Allesamt mit ausgebildeten Trainer/innen. 🙂