In der Kreativbranche ist am Freitag alles anders – zumindest bei der Kleidung. Das Motto heißt häufig: „Come as you are“, also „Komme, so wie du bist“. Dresscodes sind dann ausgesetzt – und die Mitarbeiter/innen kommen in Jogginghosen, Schlabberpullis oder auch Verkleidungen.

Nicht alle von uns arbeiten in lockeren, hippen, trendigen Unternehmen. In klassischen Berufsfeldern wie Bank, Büro oder Tourismus dominiert auch heutzutage ein klassischer Kleidungsstil. Was genau kleidungstechnisch im Büro möglich ist und was gar nicht, sagt uns die Unternehmensberaterin und zertifizierte Wirtschaftstrainerin Mag. Maria Th. Radinger im Interview. Sie berät Unternehmen zu den Themen Stil und Etikette.

„Unternehmen legen wieder Richtlinien fest“

WIFI-Blog: Frau Mag. Radinger – wie verbreitet ist der „Casual Friday“? Hat dieser Tag als Ritual auch in der österreichischen Bürolandschaft einen Platz? Wie viele Firmen kennen Sie als Expertin, die ihn tatsächlich praktizieren?

Maria Radinger: Die Idee vom „Casual Friday“ kommt aus dem Amerika der 1950er Jahre. Unternehmen erlaubten ihren Mitarbeitern am Freitag in legerer Kleidung zur Arbeit zu kommen, um die Bürokleidung in die Reinigung zu bringen, damit sie am Montag wieder sauber ist.

In Österreich ist der „Casual Friday“ kaum verbreitet, da Unternehmen selten so einen strengen Dresscode vorschreiben, um einen Casual Friday überhaupt erforderlich zu machen. Der Trend geht meiner Erfahrung nach eher in die Richtung, dass immer mehr Unternehmen wieder Richtlinien festlegen. Man spricht meist nicht gerne von Dresscodes, weil es zu streng klingt. Man geht heute dazu über, die „Dont’s“ festzulegen, die in der Branche bzw. in diesem bestimmten Unternehmen nicht gewünscht sind.

WIFI-Blog: Was ist prinzipiell möglich an einem Casual Friday?

Maria Radinger: Es kommt in erster Linie auf die Branche und dann auf die Position an. Jedoch auch am Freitag sollte man sich an den Grundsatz halten: Was im Büro getragen wird, soll auch nach Büro aussehen. Wenn zum Beispiel Jeans erlaubt sind, dann kommt es auf die Branche und Position an, ob die Jeans mit Löchern im Büro getragen werden kann. Freizeitkleidung, die als solche erkennbar ist, sollte vermieden werden.

Mag. Maria Th. Radinger, CMC

„Jede Branche hat ihre Richtlinien“

WIFI-Blog: Warum gibt es eigentlich so etwas wie Dresscodes? Warum sind sie Ihrer Meinung nach wichtig? Manche Unternehmen legen keinen Wert auf Kleidungsvorschriften und sind trotzdem sehr erfolgreich.

Maria Radinger: Kleidung ist wie Architektur oder Design ein Ausdruck von Qualitätsvorstellungen, Zeitgeist, Zukunft, Stabilität, Seriosität oder auch Vertrauen. In einem Unternehmen macht man sich in der Planung bzw. im Außenauftritt gegenüber Kunden und Partnern viele Gedanken über Wirkung: von den Firmenfarben, über das Logo, über die Schriftgröße bin hin zur Ausstattung der Büros ebenso wie die Wahl der Firmenautos und Firmencomputer.

Deshalb hat das Auftreten und Erscheinungsbild der Führungskräfte und Mitarbeiter/innen einen großen Einfluss auf die Außenwirkung. Schließlich sind die Mitarbeiter die Visitenkarte eines Unternehmens.

WIFI-Blog: In welchen Branchen sind (eingehaltene) Dresscodes heutzutage wichtig? Wo ist eine „falsche“ Krawatte bereits ein mittelschwerer Fauxpas?

Maria Radinger: Jede Branche hat ihre Richtlinien. Ob es sich um Arbeits- bzw. Sicherheitskleidung wie im Tourismus, der Medizin oder der Baubranche oder um Uniformen wie bei Fluglinien, Feuerwehr, etc. handelt.

Das internationale „Business“ hat andere Richtlinien, ob in der Beratung oder in der Industrie – hier kommt es auch auf die Position an. Grundsätzlich geht es nicht darum, ob Krawatte oder nicht, sondern immer um die Gesamt-Inszenierung. Von der passenden Kleidung über gepflegte Schuhe und Taschen bis hin zum angemessenen Fahrzeug – es geht um das Gesamtbild und um die Botschaft, die man mit allen Symbolen, die man wählt, versendet.

Schlampige Kleidung und ein ungepflegtes Erscheinungsbild macht einen nicht zu einem weniger professionellen Mitarbeiter, doch es hat eine andere Botschaft. Das sollten Mitarbeiter/innen ebenso wie Unternehmen bedenken.

„Beim ersten Termin: Besser overdressed als underdressed!“

WIFI-Blog: Angenommen man hat einen Businesstermin, ein Meeting oder ein Vorstellungsgespräch und möchte stilsicher auftreten. Woran lässt sich am besten ableiten, wie der gewünschte Dresscode zusammengesetzt ist?

Maria Radinger: Grundsätzlich gilt im Geschäftsleben bei einem ersten Termin immer: besser overdressed als underdressed! Oft lässt sich auch über Internetrecherchen nicht klar erkennen, welcher Kleidungsstil im Unternehmen angemessen ist. Bei weiteren Terminen kann man sich dann besser einstellen. Oft erkennt man ein Gesamtbild, das macht den eigenen Auftritt einfacher. Doch in manchen Unternehmen ist das nicht gleich erkennbar, da muss man schon mehr beobachten. Es gibt Unternehmen, die einen „heimlichen Dresscode“ haben und oft nicht erklären können, warum an manchen Tagen oder bei bestimmten Terminen, die Mitarbeiter oder Führungskräfte anders gekleidet sind. Oft erkennen die Mitarbeiter gar nicht, dass sie einen Dresscode haben und pflegen, weil es „immer schon so war“…

Gibt es absolute No-go’s?

Maria Radinger: Auch hier kommt es auf Branche und Position an. Freizeitlook und vor allem erotische Signale sollten vermieden werden. Man möchte doch im Berufsleben nicht (nur) darauf reduziert werden. Manchmal hat man allerdings den Eindruck: Auf dem Weg zum Strand kommen die Mitarbeiter bzw. vor allem Mitarbeiterinnen noch kurz im Büro vorbei… Was macht das für ein Bild für Kunden bzw. auch Kolleginnen und Kollegen? Mal ganz abgesehen von den Führungskräften.

„Manche sehen so aus, als kommen Sie auf dem Weg zum Strand noch im Büro vorbei.“

Individualist/innen wie Investment-Punk Gerald Hörhan oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kleiden sich, wie es ihnen gefällt. Und sind dabei Multimillionäre. Da liegt die Annahme nahe: Wer richtig mutig ist, hat nichts zu verlieren. Stimmt das?

Maria Radinger: Wer selbstständig ist, hat natürlich fast alle Rechte. Da kann man seinen Dresscode selbst zusammenstellen. Man gestaltet sich die eigenen Markenzeichen und das ist doch auch gut so. Oder auch Menschen, die im Geschäftsleben bereits „angekommen“ sind, haben natürlich mehr Spielraum. Aber auch diese Menschen wissen um die Wirkung ihrer Signale.

Muss man die Regeln zumindest kennen, bevor man sie brechen kann?

Maria Radinger: Das macht alles einfacher. Dann entscheidet man selbst, woran man sich hält und was man anders machen möchte. Es erspart einem die Fettnäpfchen am Weg …

„Dresscode ist von Branche und Position abhängig“

Was sind mögliche Konsequenzen, die man als Arbeitnehmer/in zu erwarten hat, wenn man sich nicht an den vorgegebenen Dresscode hält?

Maria Radinger: Grundsätzlich sollte bereits bei Arbeitsbeginn in einem Unternehmen geklärt werden, was geht und was nicht. Immer öfter werden schriftliche Richtlinien aufgelegt, damit sich die Personen gleich ein Bild machen können. In jedem Unternehmen muss sich dann auch eine Führungskraft dafür verantwortlich fühlen und die Mitarbeiter ansprechen, die sich nicht an die Regeln halten.

Womit macht man garantiert nichts falsch im Job?

Maria Radinger: Auch hier wieder ist es die Branche und die Position, die die Richtlinien vorgibt. Welche Kleidungsstücke bzw. welches Erscheinungsbild drücken Professionalität, Vertrauen, Seriosität und Zeitgeist aus? Es macht einen Unterschied ob ich im Verkauf tätig bin und täglich mit Kunden zu tun habe oder ob ich in der Produktion bin. Im Nadelstreifanzug am Fließband zu stehen ist genauso unpassend wie im Strandkleid mit Flip-Flops im Büro zu arbeiten.

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