Wer wünscht es sich nicht? Eine erfolgreiche Karriere. Geld. „Von nichts kommt nichts!“, lautet ein altbekanntes Sprichwort; wer mehr verdienen will, muss natürlich auch (meist) etwas dafür tun. Mit einer soliden Aus- bzw. Weiterbildung ist man dem Ziel, Karriere zu machen, schon einen entscheidenden Schritt näher. Aber: Wo genau setzt man den ersten Schritt, wo steigt man ein?

Für die meisten stellt sich in der Jugend die Frage: Studieren oder Arbeiten? Immer mehr machen eine Matura, um mit einem anschließenden Studium voll durchzustarten. Andere entscheiden sich für eine Lehre. Aber was zahlt sich aus – am Lohnzettel?

Conrad Pramböck kennt Arbeitsmarkt und Chancen

Wir haben den Gehaltsexperten Dr. Conrad Pramböck interviewt. Der Consulter berät große Unternehmen in Lohn- und Gehaltsfragen und ist häufig gebuchter Vortragender. Dabei wollten wir ganz genau wissen, wo wann und wie es sich auszahlt, die Schulbank zu drücken.

WIFI: Herr Dr. Pramböck, Beginnen wir gleich mit einer bekannten Gegenüberstellung: Lehre vs. Studium. Oft hört man: „Heutzutage verdient ein Facharbeiter nach ein paar Jahren leicht mindestens genauso viel wie ein Jung-Akademiker. Studieren zahlt sich gar nicht mehr aus!“ Da muss man nur das Durchschnittsgehalt einer KFZ-Technik-Fachkraft nach 10 Dienstjahren und eines eines Maschinenbau-Masters von der Uni vergleichen: kaum ein Unterschied. Außerdem verdienen Lehrlinge schon während der Ausbildung Geld. Warum wollen trotzdem so viele studieren?

Conrad Pramböck: Im Alter von Anfang, Mitte 20 spielt es fast keine Rolle, ob Sie studiert haben, eine Matura oder eine Lehre absolviert haben. Die Gehälter bewegen sich bei den meisten Berufsgruppen zwischen 25.000 und 35.000 Euro brutto pro Jahr. Die Unterschiede wachsen jedoch mit jedem Berufsjahr an. Akademiker haben mittel- bis langfristig deutlich bessere Berufs- und Gehaltsaussichten als Nicht-Akademiker. Während viele Nicht-Akademiker auch am Höhepunkt ihrer Karriere eine gläserne Decke von rund 50.000 Euro erreichen, schaffen es viele Akademiker, diese Grenze schon im Alter zwischen 30 und 40 Jahren zu durchbrechen. Außerdem haben Akademiker viel bessere Chancen auf gut dotierte Führungspositionen.

„Akademiker haben mittel- bis langfristig bessere Aussichten“

WIFI: Verdienen Akademiker/innen auch besser als Selbstständige, z.B. in der selben Branche?

Conrad Pramböck: Entgegen der häufigen Vermutung, dass Selbständige ein deutlich höheres Einkommen als Angestellte erzielen, liefern meine Studien ein deutlich anderes Ergebnis: In 90 % der Fälle verdienen Angestellte mehr als Selbständige. Warum in der öffentlichen Meinung ein anderes Bild herrscht, ist leicht erklärt: Auf der Bühne stehen nur die Sieger, also die erfolgreichen Unternehmer und Start-Ups. Niemand spricht von den Tausenden, die es nicht geschafft haben. Als Selbständiger erfolgreich zu sein, braucht jahrelange Vorbereitungszeit, um einen soliden Kundenstock und ein verlässliches Netzwerk aufzubauen. Als Richtwert gilt: Solange Sie nicht in der Lage sind, relativ locker Ihr doppeltes Bruttogehalt jeden einzelnen Monat an Ihre Kunden zu fakturieren, bleiben Sie lieber angestellt.

WIFI: Angenommen, man hat seine Branche gefunden, die Berufsmatura in der Tasche und eventuell auch noch ein Studium drangehängt. Macht es einen Unterschied, ob ich in einem großen oder kleinen Unternehmen arbeite?

Conrad Pramböck: In Spezialistenfunktionen zahlen die Unternehmen recht uneinheitlich, je nach Größe. Manche großen Konzerne können es sich leisten, überdurchschnittlich hohe Gehälter für die Top-Mitarbeiter zu zahlen. Andere haben die Politik, dass sie angesichts einer großen Anzahl an Blindbewerbungen gar nicht so hohe Gehälter zahlen müssen. Manch kleinem Unternehmen fehlt es an finanziellen Mitteln für hohe Gagen. Andere Kleinbetriebe zahlen deswegen überdurchschnittlich viel, weil sie kompromisslose Investitionen in die Qualität ihrer Mitarbeiter machen wollen. Auf der Ebene der Führungskräfte ist hingegen der Trend eindeutig: Große Unternehmen zahlen im Schnitt deutlich höhere Gehälter als kleinere, weil der Umgang der Verantwortung für Mitarbeiter, Umsatz und Budgets in einem Großkonzern deutlich höher ist als in einem kleinen Betrieb.

„Matura allein ist in vielen Bereichen zu wenig“

WIFI: Eine gute Ausbildung ist die Basis für eine erfolgreiche Karriere. Darf man sich von einer Matura allein Gehaltssprünge versprechen? Und wenn ja: In welchen Branchen stimmt das?

Conrad Pramböck: Mit Matura allein ist es vielen Bereichen zu wenig, um auf Dauer beruflich erfolgreich zu sein. Die einzige Mitarbeitergruppe, die ungeachtet der Ausbildung höchst gefragt ist, sind Techniker. Hier sind sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Lehrausbildung, HTL-Abschluss und Akademikerinnen bzw. Akademiker gefragt und erzielen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen deutlich höhere Gehälter. Im Schnitt erzielen sie rund 20 Prozent über dem Schnitt vergleichbarer Ausbildungen.

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6 Expertentipps für den Berufsweg

WIFI: Zum Schluss, ein Ausblick in die Zukunft: Sie sagen, eine erfolgreiche Karriere hängt vor allem von smarten Entscheidungen ab, die man vor 5-10 Jahren getroffen hat. Im Angestelltenbereich betrifft dies hauptsächlich die Alterspanne zwischen 20 und 30 Jahren. Was würden Sie einem jungen Menschen heute raten, der vor einer Ausbildungsentscheidung steht? Was ist eine gute Basis, um später, in den nächsten 5-10 Jahren voll durchzustarten?

Conrad Pramböck: Hier kann ich folgende 6 Tipps mit auf dem Berufsweg geben:

  1. Wählen Sie eine Ausbildung, die am Arbeitsmarkt gute Aussichten hat.
  2. Spezialisieren Sie sich während der ersten 5 bis 10 Jahre Ihres Berufslebens auf eine einzige Nische, in der Sie unangefochten der Beste oder sogar der Einzige sind.
  3. Bauen Sie tiefe, vertrauensvolle Beziehungen zu möglichst vielen Menschen auf, indem Sie konstant herausragende Leistungen bieten.
  4. Übernehmen Sie möglichst viel Verantwortung in Bereichen, die Ihren beruflichen Zielen und Absichten entsprechen.
  5. Machen Sie immer mehr Dinge, die Sie mit großer Leidenschaft erfüllen, und geben Sie jene Arbeiten an andere ab, die Sie nicht gern machen.
  6. Geben Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung weiter, und unterstützen Sie andere Menschen auf ihrem Weg.

Hier geht’s zum zweiten Teil des Interviews!

Dr. Conrad Pramböck ist Gehaltsexperte, internationaler Speaker und Lektor für Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen. Er ist CEO von Upstyle-Consulting und berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehälter. Pramböck ist Buchautor und Verfasser von wöchentlichen Kolumnen in den Tageszeitungen „Der Standard“ und „Die Presse“ zu den Themen Gehalt und Karriere.

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