Kollegen sind wie Beziehungspartner. Vor allem in einem Großraumbüro gibt es – neben kollegialer Zuneigung – auch reichlich Zündstoff für Konflike. Denn viele Dinge, die man ganz selbstverständlich macht, können anderen gewaltig auf die Nerven gehen.

Im Großraumbüro gibt es eines nämlich nicht: Privatsphäre. Unterschiedliche Bedürfnisse prallen aufeinander. Ständig steht man unter Beobachtung. Soziale Dichte verursacht Stress. Ärgernisse, Geduldsproben, oder gar Nervenzusammenbrüche sind die Folge.

Damit es nicht so weit kommt, vergessen Sie nie: Sie. sind. nicht. allein! Wir haben 5 Regeln fürs Großraumbüro zusammengestellt.

1. Wertschätzung zeigen & Gemeinschaft stärken!

Auch als Einzelne/r trägt man dazu bei, ein Wir-Gefühl zu stärken. Wie das geht? Entspannt nett zu sein ist schon mal ein guter Anfang. Grüßen, Komplimente machen, Kaffee anbieten, etwas vom Supermarkt mitnehmen.

Außerdem wichtig: Rücksicht nehmen! Egal ob es ums Essen (Kebap), Stifte ausborgen, Musik hören, Fenster öffnen, oder die Temperatureinstellung geht. Bei letzterem gilt übrigens: Die Frierenden sind im Zweifelsfall im Recht. Unterkühlt zu sein ist schlimmer als ein bisschen Schwitzen! 😉

Auch Ordnung zeigt Respekt vor den anderen. Das fängt beim Kaffeehäferl wegräumen an. Von notorischen Liegenlasser/innen hört man immer wieder gern: “Das macht eh die Putzfrau!” Wir finden: Das geht gar nicht. Auch Reinigungskräfte haben Wertschätzung verdient.

2. Keine Feste für die Sinne veranstalten!

Oft sind es Kleinigkeiten, die andere in den Wahnsinn treiben. Ganz oben in der Auszucker-Liste: laut sein. Laut  telefonieren, laut lachen, laut einen Apfel essen. In Zügen gibt es daher bereits Ruhezonen. Das wäre auch im Büro wünschenswert, ist aber nicht immer Realität. Bringen notwendige Gespräche darüber nichts, kann man z.B. spezielle Noise-Cancelling-Ohrenstöpsel verwenden.

Alles kann man sich leider nicht wegstöpseln, zum Beispiel Gerüche. Weitere Don’ts die eigentlich klar sein sollten: Ungepflegt erscheinen oder Duftwolken hinterlassen, Schuhe ausziehen, Fingernägel knipsen, singen, summen, Pornos schauen oder anderen privaten Dingen nachgehen wie in der Nase bohren. Kinder und Haustiere ungefragt mitzunehmen, wird ebenso ungern gesehen. Es sei denn, es ist anders ausgemacht, klar.

Aber auch die bloße Anwesenheit anderer Menschen kann bereits stressen. Warum? Einerseits ist immer jemand da, der einen beobachten könnte. Andererseits tendieren manche dazu, sich ständig mit anderen zu vergleichen. So kann es passieren, dass sie selbst zum Stressfaktor werden, indem sie Druck erzeugen oder Stimmungen beeinflussen. Tratschen und Gerüchte schüren setzen dem noch eins drauf. Ein guter Rat: immer wieder in die Selbstreflexion zu gehen und zu beobachten, welche Auswirkungen das eigene Verhalten auf andere hat.

Das geht auch mit ein bisschen Humor. In diesem Zusammenhang unlängst in einem Büro gesichtet: ein Schild mit der Aufschrift „Ich bin hier bei der Arbeit und nicht auf der Flucht!”

3. Kompromisse eingehen!

Jede Beziehung braucht klare Ansagen und Absprachen. Ein wirklich guter Kompromiss ist für alle zufriedenstellend. Für einen gelungen Deal muss man wissen, was man will und was nicht. Und das auch so mitzuteilen. Deshalb: Nicht alles runterschlucken!

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4. Grenzen ziehen!

„Was meins ist, ist meins” gilt auch im Großraumbüro, also Arbeitsfläche, Büromaterialien, Computer & Co.. Man muss ja nicht gleich das Absperrband aufziehen, aber klare Verhältnisse beugen ärgerlichen Missverständnisse vor.

Achtung, Fettnäpfchenfalle: Was man von anderen einfordert, muss man aber auch selbst einhalten! Der frisch gespitzte Bleistift und die lieben Haftnotizen mit Blumenmotiv bleiben dort liegen, wo sie hingehören.

Für manche ist es schwieriger, sich innerlich abzugrenzen. Aufreger-Beispiele: Der Kollege gegenüber lässt  schon seit Stunden passiv-aggressive Seufzerchen los und wartet nur auf ein Was ist denn los?. Frau J. hinter einem murmelt ständig in verzweifelten Unterton ihre To-Do-Liste vor sich hin.

Bei aller Loyalität und Kollegialität: Die Emotionen der anderen sind nicht die Ihren. Auch Sie müssen sich konzentrieren und Ihre Arbeit erledigen. Stoppen Sie sich, wenn Sie bemerken, dass Sie auf der Welle von jemand anderem surfen. Stehen Sie zwischendurch immer wieder auf, gehen Sie auf die Toilette oder holen Sie sich noch ein “Kaffeetscherl”, um kurz auszusteigen und durchzuatmen. 😉

5. Nicht den Nächsten lieben!

Wie schon beim Weihnachtsfeier-Knigge erwähnt: Es kann passieren. Das Reinfallen in die Liebe. Viele Beziehungen entstehen am Arbeitsplatz. Und Flirts sind sowieso gang und gäbe.

Liebeleien hält man dennoch lieber geheim. Erstens ist da die Sache mit der Vermischung von Privatem und Beruflichem. Zweitens nervt hormongesteuertes Geturtel und Gekichere viele schlichtweg bei der Arbeit. In ernsten Stresssituationen kann es sogar respektlos rüberkommen. Womit wir bei drittens sind: Man eröffnet auch einen exklusiven Raum, aus dem man alle anderen ausschließt. Richtig nett und erwachsen ist das nicht. Also: Pscht. Schweigen und (daheim) genießen.

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